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Literarische Inspiration

Die Druckmotive für Ihre Kollektionen entwickelt Lenka Kühnertová aus literarischen Texten. Dabei will sie das Geschriebene weder visuell nacherzählen noch illustrieren. Vielmehr geht es ihr um das Aufgreifen und Bewahren einer sprachlich erzeugten Stimmung. Die Texte, auf die sie bisher Bezug nahm, haben mit Alltäglichem zu tun. Diese Poetik des Alltags gehört zu ihren literarischen Auswahlkriterien.

Für ihre erste Kollektion aus dem Jahr 2012 ließ sich Lenka Kühnertová von Haruki Murakamis Roman »Mister Aufziehvogel« inspirieren und arbeitete sich dafür in die japanische Shibori-Technik ein. Bei dieser wird die Farbverteilung durch das Abbinden des gewrungenen Stoffes beeinflusst. Der Inspiration folgend, wurden die Tücher vor dem Färben mit Schnur so abgebunden, dass als federnartige Motive erzielt wurden. Der Bezug zur literarischen Inspirationsquelle ist also meist mittelbar. Auf diese Weise fordert Lenka Kühnertová die Träger und Trägerinnen ihrer Tücher und Textilaccessoires auf, den versteckten Literaturbezügen selbst auf die Spur zu kommen. Einen ersten Hinweis liefern die Textauszüge auf Papieretiketten, die jedem Produkt angeheftet werden.

Motiv- und Farbwahl

Mit Bleistift, Tusche und als Stoffcollagen entstehen im Notizbuch die ersten Skizzen und Experimente zu den möglichen Druckmotiven. Diese bildlich verdichteten Assoziationen und Gedanken zur Literatur – changierend zwischen Humor und zarter Melancholie – werden anschließend auf ein größeres Format übertragen.

Entscheidend für die Wahl und Skalierung der Motive ist das Format des Halstuchs. Es beginnt nun die Phase des Experimentierens und die Suche nach passenden Stoffen, Bearbeitungstechniken und Farbfamilien: Die Druckvarianten werden auf verschiedenen Texturen getestet, die Farbakkorde gewählt. Um bis in die kleinsten Nuancen hinein die Kontrolle über das Ergebnis zu haben, mischt Lenka Kühnertová ihre Druckfarben selbst. Flüssige Pigmente erlauben feinste Dosierungen.

Handlich zugeschnitten wandern die Farbkärtchen, Stoffproben und Probedrucke zur Dokumentation des kreativen Prozesses in schwarze Notizbücher. Schriftliche Anmerkungen spiegeln die Überlegungen von den ersten Assoziationen bis zu den wegweisenden Motiven wider.

Manueller Siebdruck – die Vorbereitung

Ist diese Phase der Motiv- und Farbfindung abgeschlossen, fertigt Lenka Kühnertová die Filme für die Belichtung und die passenden Siebschablonen für den Flachdruck an. Auch das geschieht von Hand. Die mal eher abstrakten, mal ornamentalen, dann wieder geradezu naturalistischen Motive werden mit schwarzer Tusche auf die Folien gepinselt oder gezeichnet. Kreative Impulse sind möglich, da die Gestalterin die Muster und Linien ihrer Vorzeichnungen immer wieder anders auf die Folien arrangiert und so zu neuen Anordnungen findet.
Durch den tiefdunklen Tuscheauftrag entstehen Filme mit lichtundurchlässigen Partien. Die zuvor beschichteten Siebschablonen werden mit Hilfe dieser Folien belichtet. Auf diese Weise entsteht ein Netzgewebe, das für die Druckfarben dauerhaft offenporige und geschlossene Flächen aufweist.

Manueller Siebdruck – der Druckprozess

Zunächst müssen sich die Siebrahmen in Probedrucken bewähren. Erst dann beginnt am langen Drucktisch die eigentliche Produktion. Drei bis vier Wochen veranschlagt Lenka Kühnertová für eine Kollektion. In der Regel arbeitet Lenka Kühnertová wie eine traditionelle Grafikerin mit Pigment- und Ätzdruck, beides Flachdruckverfahren.

Beim Pigmentdruck presst sie die zuvor selbst gemischte Farbepaste mit Hilfe einer Gummirakel durch das feinmaschige Gewebe der Siebschablone. An den ungestalteten Partien sind die netzartigen Öffnungen verschlossen, so dass hier keine Farbe auf den Stoff gelangen kann. Für jede zu druckende Farbe muss eine eigene Schablone hergestellt werden. Bei mehrfarbigen Drucken werden entsprechend viele Siebrahmen benötigt, die nacheinander passgenau auf den Stoff treffen müssen. Das verlangt nicht nur viel Körperkraft, sondern auch höchste Konzentration. Eine Unachtsamkeit kann die Arbeit von Stunden zunichte machen.

Beim Ätzdruck werden dem Stoff keine Pigmente zugefügt, sondern entzogen. Daher wird die Siebschablone mit einer oxidierenden oder ätzenden Paste präpariert. An jenen Stellen, an denen die Paste durch das Netzgewebe auf den zuvor gefärbten Stoff trifft, wird der Farbstoff zerstört. Bei der sogenannten Weißätze entstehen so helle Motive beziehungsweise Zeichnungen auf dunklerem Grund.

Kollektionskonzept

Eine Kollektion ist in der Regel zehnteilig und wird in einer Auflage von zehn bis maximal zwanzig Exemplaren gedruckt. Damit umfasst eine Kollektion 100 bis 200 gestaltete Textilien. Jedes ist ein Unikat. Immer wieder setzt die Grafikerin die Motive und ihre dazugehörenden Schablonen mehrfach ein. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus der Überzeugung heraus, erst durch die selbst auferlegte Begrenzung die schöpferischen Möglichkeiten einer Gestaltungsidee voll ausschöpfen zu können.

Außer Halstücher, Schals und Kleidungsstücke ersinnt Lenka Kühnertová oft auch noch eigenwillige Accessoires, die eine spielerische Note ins klar durchdachte Konzept bringen. So werden die großformatigen Textilien mal von federförmigen Umlegekragen, mal von umnetzten Ketten aus winzigen Christbaumkugeln ergänzt. Papieretiketten an jedem Einzelstück nennen die Kollektion, die Auflagennummer, die literarische Quelle samt Textauszug und Hinweise zur Pflege.

Präsentation im Showroom

Der Öffentlichkeit wird jede Kollektion in einer Vernissage als Gesamtwerk vorgestellt, wobei die Inszenierung jeweils auf das Thema der Kollektion abgestimmt ist. In dieser Zeit verwandelt sich die Manufaktur in eine Galerie. Um ihren männlichen wie weiblichen Kunden die ganze Bandbreite an Tragemöglichkeiten aufzuzeigen, veranstaltet Lenka Kühnertová in ihrem Showroom zudem immer wieder Tuchsalons, bei denen es unter anderem um Bindetechniken und Halstuch-Knoten geht.

Unikat

Durch die analoge Produktionsweise und den Handdruck ist jedes Kollektionsteil – ob Tuch, Schal, Oberteil, Kleid oder Schmuckstück – ein Unikat. Kleine Unregelmäßigkeiten in der Farbe und beim Motiv geben einen Hinweis auf die Einzigartigkeit jedes Produkts aus der KÜHNERTOVÁ Manufaktur.


Inspired by literature
I develop graphic concepts, that are inspired by literature, which I then integrate into my products. My accessories carry a deeper meaning, beyond current fashions and trends. I hope to engage the carriers of my shawls and scarves so they can discover my artistic attitude and the idea behind them and to use them in their own way. Naturalistic, abstract and ornamental image worlds come together with the fabric, the printing and dyeing technique and the further processing as an aesthetic-sensory unity. Design and experiment and inextricably interwoven. All the creations by KÜHNERTOVÁ focus on the essentials and thus appear timeless.

Printing process
My communication design studies have given me an entry point into various printing processes.
I am therefore prone to employ traditional screen-printing techniques as a logical consequence of my graphic drafts. All colour tones are mixed with great care in Stuttgart, using individual basic pigments. The films and screen-printing stencils are also developed here. In the KÜHNERTOVÁ Manufactory I print the fabrics and develop them into final products.

Showroom
My manufactory functions equally as a showroom and is open for visitors during regular opening hours. Each collection is introduced here in the form of an opening. During these events the rooms become a gallery. I adapt the staging to the theme of each collection. In order to show my customers the wide range of shawls and scarves and the various options for wearing them, I regularly organize workshops on binding techniques. And in order to make sure that my services are not only available for a local clientele, an online shop has been launched at: https://kuehnertova.com/shop/